Liebesgeschichte(n) seit 1870/71 tagung7071.de
Brautbriefe, Heiratsanzeigen und Eheanbahnung in Deutschland

Liebesgeschichte(n) seit 1870/71

Angefangen hat es mit einem Schuhkarton. Auf einem Flohmarkt stand er zwischen Kaffeetassen und alten Schallplatten, und darin lag, mit einem verblichenen Band umwickelt, ein Bündel von elf Briefen. Geschrieben hatte sie ein Mann namens Wilhelm zwischen August 1870 und Februar 1871, erst aus Lothringen, später aus einem Quartier vor Paris. Adressiert waren sie an seine Braut Luise. Der Händler wollte fünf Euro. Ich habe damals nicht gehandelt und bereue das bis heute nicht.

Vorgedruckte Feldpost-Correspondenzkarte aus dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71

Wilhelm schreibt über Regen, über zu enge Stiefel und über das Warten auf Post. Vom Krieg selbst erzählt er erstaunlich wenig, von der gemeinsamen Zukunft dafür umso mehr: welche Stube man mieten könnte, ob Luises Mutter der Hochzeit im Frühjahr zustimmen würde. Beim Lesen dieser Briefe ist mir klar geworden, wie viel Alltagsgeschichte in solchen Blättern steckt, und wie wenig davon in den Schulbüchern stand, mit denen ich jahrzehntelang unterrichtet habe.

Den Anstoß, meine Notizen öffentlich zu machen, gab dann der 150. Jahrestag des Krieges und der Reichsgründung in den Jahren 2020 und 2021. Museen, Archive und Universitäten haben damals Ausstellungen und Tagungen veranstaltet. Das meiste drehte sich, wie zu erwarten, um Schlachten, Politik und Erinnerungskultur. Mich interessierte eher, was in den Briefen zwischen den Zeilen stand und wie Menschen in diesen Jahrzehnten überhaupt zueinanderfanden.

Was Sie hier finden

Diese Seite ist ein privates Geschichtsprojekt, das Schritt für Schritt wächst. Den Anfang machen die Brautbriefe aus dem Feldzug 1870/71: wie die Feldpost organisiert war, was Soldaten ihren Verlobten schrieben und welche Briefsammlungen gedruckt vorliegen. Allein die deutsche Feldpost beförderte in diesem Krieg nach gängigen Angaben mehr als neunzig Millionen Briefe.

Holzstich: Feldpostwagen und Soldaten auf einem Schlachtfeld 1870

Wer damals keine Braut hatte, konnte eine suchen, und zwar zunehmend in der Zeitung. Davon handelt der Beitrag über Heiratsanzeigen im Kaiserreich. Eng damit verwandt ist das Gewerbe der Ehevermittler, dem ich einen eigenen Text zur Heiratsvermittlung um 1900 gewidmet habe, samt einer juristischen Merkwürdigkeit im Bürgerlichen Gesetzbuch.

Drei Beiträge gehen der rechtlichen und wirtschaftlichen Seite nach. Mit dem Personenstandsgesetz von 1875 wurde die Zivilehe im ganzen Reich Pflicht, und ohne Standesamt war fortan keine Ehe mehr gültig. Wie es um Verlobung, Mitgift und Aussteuer stand und was es mit dem sogenannten Kranzgeld auf sich hatte, steht in einem weiteren Text. Nicht jede Geschichte endete vor dem Traualtar: Über das Schicksal der Kriegerwitwen nach 1871 und ihre Versorgung habe ich ebenfalls geschrieben.

Zwei Beiträge weiten den Blick. Der eine führt von der Annonce zur Partnerbörse und damit bis in die Gegenwart, der andere bietet einen knappen Rückblick auf 1870/71 und darauf, wie man sich später an diesen Krieg erinnert hat.

Wer wissen möchte, wer hier schreibt, findet das unter Über mich. Die Bücher, Archive und digitalen Sammlungen, auf die ich mich stütze, stehen in den Quellen. Und die Briefe von Wilhelm und Luise? Ob die beiden geheiratet haben, weiß ich noch nicht. Ich suche weiter.

 


Briefe und Anzeigen
Brautbriefe und Feldpost Was Soldaten 1870/71 nach Hause schrieben und wie die Post sie beförderte.
Heiratsanzeigen Ehesuche in der Zeitung zwischen 1871 und 1914: Sprache, Zahlen und Ruf.
Heiratsvermittler um 1900 Ehemakler, Heiratsbüros und der Lohn, den kein Gericht zusprach
Von der Annonce zur Partnerbörse Kontaktanzeigen, Vermittlungsinstitute und Computertests im 20. Jahrhundert, dann Internet und App.
Recht und Familie
Zivilehe 1875 Standesamt statt Kirchenbuch: das Personenstandsgesetz und seine Folgen
Verlobung, Mitgift, Aussteuer Brautschatz, Wäschetruhe und der Paragraf zum Kranzgeld
Kriegerwitwen nach 1871 Beihilfen in Talern, Wartefristen und die Frage der zweiten Ehe
Zum Hintergrund
1870/71 im Rückblick Der Krieg, die Reichsgründung und wie man sich später daran erinnerte.
Quellen Bücher, Aufsätze, Gesetzestexte und digitale Bibliotheken, auf die sich die Beiträge stützen.
Über mich Wer hier schreibt, wie die Sammlung entstand und wie ich mit Quellen arbeite.

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