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„…voller Sehnsucht nach religiöser Einwirkung“

Zeugnisse jüdischen Lebens im Krieg 1870/71

In diesem Jahr feiern wir 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland. 2021 konnte auch zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Militärwesens ein jüdischer Seelsorger eine Stelle als Militärrabbiner antreten.

Die Geschichte der jüdischen Militärseelsorge begann allerdings bereits 1870. Rabbiner Dr. Isaak Blumenstein reiste damals aus Mannheim zu den deutschen Belagerungstruppen vor Metz. General von Manteuffel, Kommandeur des I. Armeekorps erlaubte ihm, ins einem Befehlsbereich das jüdische Versöhnungsfest zu feiern. Blumenstein hielt daraufhin in Sainte Barbe am 4. und 5. Oktober 1870 mehrere Andachten mit Soldaten der preußischen 3. Reserve-Division. In Wort und Bild bis in die USA verbreitet, entfalteten diese Jom Kippur-Feiern eine bemerkenswerte Signalwirkung, die unter deutschen Juden Hoffnungen auf eine wahrhaftige Gleichstellung und Gleichbehandlung in Gesellschaft und Militär nährten. In dem Vortrag soll in erster Linie die materielle und museal nutzbare Überlieferung zur jüdischen Militärseelsorge interessieren, ausgehend vom Deutsch-Französischen Krieg. Die beschriebenen Objekte entstammen mehreren Museumssammlungen, darunter das Wehrgeschichtliche Museum in Rastatt und das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden. Den Anlass zu diesem Beitrag lieferte allerdings ein Ende 1870 oder Anfang 1871 in Rouen aufgenommenes Gruppenbild jüdischer Soldaten des preußischen Heeres aus französischem Privatbesitz, das erstmals präsentiert wird.