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Zwischen allen Stühlen und Fronten

Fakt und Fiktion im historischen Roman

Schon zu allen Zeiten waren die Menschen fasziniert von Erzählungen aus längst vergangenen Zeiten. Mit „es war einmal…“ beginnen die Märchen, die irgendwann, in einer nicht näher bestimmten Epoche an einem nicht genau definierten Ort angesiedelt sind.

Doch bereits in der klassischen Antike begann einerseits eine mehr oder weniger genaue Geschichtsschreibung, und andererseits ein Interesse an epischen Erzählungen historischer Ereignisse – oder zumindest auf solchen basierenden – wie nicht zuletzt Homers „Ilias“ beweist.

Jahrhunderte später verlagerte Renaissancemeister Shakespeare manche seiner Stücke in eine ferne Vergangenheit, auch wenn es ihm bei Dramen wie „Julius Caesar“ nicht einmal in erster Linie um eine korrekte Wiedergabe historischer Fakten, sondern mindestens genauso viel um die Darstellung menschlicher, gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen und Tragödien ging – manche Literaturwissenschaftler sprechen sogar von einer Projektion des Shakespeare-Englands auf die Welt der Antike.

Doch spätestens seit Sir Walter Scott im 19. Jahrhundert mit „Waverley“ das Genre des modernen historischen Romans aus der Taufe hob, erfreut sich dieses ungebrochener Beliebtheit, die sich später dann auf weitere Mediengattungen, allen voran den Film, übertrug.

Doch was ist das eigentlich, ein historischer Roman? Wie viel Fakt und wie viel Fiktion darf oder soll er enthalten? Wie kann man als Autor sicherstellen, dass sich die Figuren wirklich wie Menschen der beschriebenen Epoche verhalten, fühlen und denken und zugleich dem modernen Leser die Möglichkeit geben, deren Handlungen zu begreifen, ja sich stückweit sogar mit diesen zu identifizieren?

Und was unterscheidet den „Historischen Roman“ einerseits vom „Kostümdrama“ und anderseits von zeitgenössischen Romanen historischer Autoren? Anhand der Beispiele ihrer eigenen Romane, allen voran dem im Deutsch-Französischen Krieg 1970/71 angesiedelten Werk „Eine Liebe zwischen den Fronten“ geht Autorin und Literaturpreisträgerin Maria W. Peter dieser Frage nach und gibt dabei Einblicke in ihre Recherche- und Arbeitswelt.