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„Verdammt lang her“

Der deutsch-französische Jugendaustausch im historisch-politischen Kontext sowie arbeitende Jugendbegegnungen sind heute etabliert. Im thematischen Fokus stehen dabei, mit sehr verschiedenen Zugangsformen, der Erste und Zweite Weltkrieg sowie die Europäische Integration nach 1950. Der Deutsch-Französische Krieg, obwohl er in vieler Hinsicht am Beginn dieser lange zerrissenen binationalen Verflechtungsgeschichte steht, spielt selten eine eigene Rolle, sondern kommt lediglich mit vor, wenn die Begegnungen an den bestimmten historischen Orten oder Gräberfeldern stattfinden. Ob dies als Mangel zu werten wäre, ist bereits ungewiss – die Geschehnisse sind eben so lange her und die Erinnerung zumindest auf deutscher Seite (trotz überbordender Denkmalsetzungen, der Benennung von Straßen und Plätzen im Land) nicht nur schwach, sondern überhaupt unangenehm, ja fremd. Der eher punktuell und exemplarisch vorgehende Beitrag trägt Beobachtungen zum deutsch-französischen Jugendaustausch der jüngsten Zeit zusammen, fragt nach Sinn und Ziel der aktiven Thematisierung von kriegerischer Vergangenheit (und also auch 1870/71) im friedliebenden Europa von heute und entwickelt handlungsleitende Perspektiven auf die organisierte Begegnung junger Menschen, die bindende, wiewohl oft vergessene Geschichte in ihren Mittelpunkt stellt, aber doch eigentlich einer guten Zukunft dienen möchte.