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Über die Tagung

150 Jahre nach seinem Ausbruch ist der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 im kollektiven Gedächtnis der beiden beteiligten Nationen weitgehend vergessen. Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts mit ihren Millionen Toten haben den im Vergleich zu den Weltkriegen kurzen Waffengang zwischen den beiden ‚Erbfeinden‘ in der allgemeinen Wahrnehmung überlagert. Dennoch drängt sich noch immer die alte rasch nach dem Krieg einsetzende offiziöse Erinnerungskultur in Deutschland und Frankreich in den öffentlichen Raum. In vielen deutschen Städten gibt es noch Sedanstraßen, Moltkebrücken oder Kriegerdenkmäler. Doch ein aktives Bewusstsein, woran diese Straßen, Brücken oder Denkmäler erinnern wollen, ist bei den meisten Menschen der Gegenwart nicht mehr vorhanden. Doch ist ‚1870/71‘ ein zu Recht vergessener Krieg? Ausgehend von der These, dass dieser Krieg an der Schwelle zur Moderne geführt wurde, sich in ihm noch Überkommenes, aber auch schon Zukünftiges zeigt, werden verschiedene Aspekte dieser Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen thematisiert.

Die hybride Tagung möchte deutsche und französische Historiker und Historikerinnen online, aber auch an einem für die europäische Geschichte symbolträchtigen Ort versammeln. Die Jugendbegegnungsstätte ‚Albert Schweitzer‘ in Niederbonn-les-bains wird vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betrieben und befindet sich direkt neben dem größten deutschen Friedhof für Gefallene des Zweiten Weltkriegs in Ostfrankreich. Nur wenige Kilometer vom Tagungsort entfernt befindet sich dazu das Schlachtfeld von Wörth, auf dem am 6. August 1870 tausende Franzosen und Deutsche ihr Leben ließen. Zahlreiche Gräber und Denkmäler künden noch heute von dieser Schlacht und sind Ausdruck der wechselhaften Erinnerungskultur(en) an den Krieg von 70/71. Nichts steht emblematischer für die Gefahren, die Europa nun wieder durch Nationalismus und Populismus drohen, als die Friedhöfe der Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Tagung ist so auch ein Versuch, durch die Beschäftigung mit dem Krieg von 70/71 das Verständnis für die Zusammenhänge von Nationalismus, Krieg und erstarkendem Populismus, letztlich für die Gefahren Europas, zu wecken.